Imam Ashafa in der Schweiz: „Minarettverbot ist ein Zeichen der Angst“

Der nigerianische Imam Muhammad Ashafa, der in Nigeria gemeinsam mit dem christlichen Pastor James Wuye ein interreligiöses Mediationszentrum führt, deutete am Donnerstag an einer Veranstaltung in Bern die Annahme des Minarettverbots in der Schweiz als Zeichen der Angst vor dem Fremden.

Imam Muhammad Ashafa im Haus der ReligionenImam Muhammad Ashafa im Haus der Religionen

Die Angst vor dem Fremden sei in erster Linie eine Angst vor dem Verlust der eigenen Identität, sagte Ashafa vor rund 80 Interessierten im Berner Haus der Religionen an der von den Gastgebern gemeinsam mit CAUX-Initiativen der Veränderung organisierten Veranstaltung. Diese Angst könne nur durch eine echte Auseinandersetzung mit sich selber und mit dem Fremden überwunden werden. Wer eine starke eigene Identität habe, brauche sich vor dem Fremden nicht zu fürchten. Die Angst vor dem Fremden sei nicht nur in der Schweiz ein Problem, sondern überall auf der Welt. Durch die Globalisierung sei das Fremde nähergerückt und die Angst davor viel realer geworden.

Als er von dem Abstimmungsresultat gehört habe, sei er schockiert gewesen: „Die Schweiz ist ein Vorbild. Sie hat einen Weg gefunden, wie verschiedene Minderheiten friedlich miteinander zusammenleben können. Die Schweiz muss versuchen, dieser Vorbildrolle weiterhin gerecht zu werden.“

Imam Ashafa und Pastor James Wuye kämpften in den 90er Jahren als Anführer verfeindeter religiöser Gruppierungen gegeneinander. Danach versöhnten sie sich in einem langen Prozess und heute leiten sie ein interreligiöses Mediationszentrum in Kaduna/Nordnigeria, dessen Dienste in der ganzen Region und auch in anderen Ländern wie Kenia, Sudan und Irak in Anspruch genommen werden. Kürzlich erhielten die beiden für ihre Arbeit in Paris den Preis für Konfliktprävention der Jacques Chirac Stiftung. Die Geschichte der beiden ist im preisgekrönten Dokumentarfilm "Der Imam und der Pastor" dokumentiert.

„Jetzt erst recht!“

Gerda Hauck, Präsidentin des Vereins Haus der Religionen, zeigte sich zuversichtlich: „Ich bin überzeugt, dass die Gleichberechtigung der Muslime in der Schweiz nur eine Frage der Zeit ist.“ Das Minarettverbot sei letztlich auch Wind in den Segeln jener Organisationen, die sich schon lange für mehr Dialog und Verständigung einsetzen. Ins gleiche Horn stiess auch Nina Frei vom Verein WissensWert Religionen: „Nach der Abstimmung dachte ich mir: Jetzt erst recht! Jetzt erst recht müssen und werden wir uns dafür einsetzen, dass ein Dialog entsteht und die Ängste abgebaut werden.“

Markus Dütschler, Redaktor der Berner Tageszeitung "Der Bund", gab zu bedenken, dass es bei der Abstimmung – wie die VOX-Analyse gezeigt habe – nicht in erster Linie um die Muslime in der Schweiz gegangen sei. Vielmehr sei es ein Votum gegen den muslimischen Machtanspruch gewesen. Die Muslime müssten sich fragen, warum dies so sei und was hier falsch gelaufen sei.

Ein Muslim aus dem Publikum stimmte dem teilweise zu: „Wir Muslime haben viel zu wenig getan. Wir müssen lernen, die Stimmung im Volk zu spüren und darauf zu reagieren. Wir müssen etwas dafür tun, um als Minderheit anerkannt zu werden.“

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